Nachsorge

NachsorgeIn den Kinderhäusern werden Patienten in allen Phasen der Krankheit erfaßt, sie erhalten ausreichend Nahrung und Antibiotika, falls sie sich im akuten Zustand befinden. Von hier werden sie, wenn nötig, zur Operation in die Klinik überwiesen. Begleitende Familienangehörige werden in Mundhygiene geschult, zu der kleine Holzstäbchen benutzt werden. Zahnpasta und Zahnbürste wären unnütz, da die Familien sich diese später nicht leisten können.

Den Frauen werden Kochkurse angeboten, damit sie lernen, die zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel so zu verarbeiten, dass die Nährstoffe erhalten bleiben. Außerdem werden sie auch über die Vorzüge von Milch aufgeklärt: schon ein Viertel Liter Milch am Tag reicht aus, um das Immunsystem der Kinder zu stärken. Auch der Konsum von Eier würde den Kindern helfen. Viele Nigrer glauben allerdings, dass Kinder, die Eier essen, später Diebe werden. Solche Einstellungen müssen geändert werden, um den Kindern zu helfen, und das können nur die Stammesangehörigen. Frauen müssen auch über Abstillmethoden aufgeklärt werden, da sie oft Kinder abrupt abstillen, was bei manchen Kindern zur totalen Nahrungsverweigerung führt.

Die Vereinsmitarbeiter versuchen, Frauen zur langsamen Brustentwöhnung ihrer Kinder zu überzeugen. Dies ist natürlich nicht immer möglich, vor allem, wenn die Frauen mit dem nächsten Kind schwanger sind, während sie noch ein anderes stillen. So sind innerhalb von drei Monaten schon 1.500 Frauen in Buschdörfern aufgeklärt worden. Viele der Dörfer sind nur nach zehnstündiger Anreise erreichbar. So wird es vermutlich noch eine Weile dauern, bis die gesamte Bevölkerung über die Krankheit, die Vorbeugemaßnahmen und Heilungsmethoden aufgeklärt ist. Der Verein kümmert sich auch um die Nachsorge von Patienten. Je nach Schwere der Erkrankung können Behandlung und Nachsorge Jahre dauern.

Patienten mit Kiefersperre können auch nach der Operation nicht mehr durch natürliches Muskelgewebe den Mund öffnen, sondern müssen lange Zeit (ca. 2 Jahre) den Mund durch Holzkeile offen halten, um eine erneute Schließung zu verhindern. In dieser Zeit wird versucht, den Jugendlichen eine Ausbildung in handwerklichen Berufen zu ermöglichen. Trotz ihrer gesellschaftlichen Benachteiligung durch die Krankheit können sie so auf eigenen Beinen stehen.

RakiaAuch der Einstieg in den Beruf, zum Beispiel als Schreiner, wird durch die Hilfsaktion Noma e.V. mit Leihgeräten gefördert. Diese werden den Jugendlichen übereignet, wenn klar ist, dass sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten können. Dass die Integration erfolgreich ist, bezeugt die erste Heirat einer Nomapatientin im Dezember 2001. Die Frau hatte nach ihrer Behandlung eine Ausbildung zur Schneiderin erhalten und ist nun mit einem Gymnasiallehrer verheiratet, der zur gehobenen Schicht des Landes gehört. Wenn der Verein nicht geholfen hätte, würde die Frau wohl immer noch von Familienmitgliedern im Dorf versteckt. Jetzt kann sie ihren Lebensunterhalt durch ihre Arbeit selbst finanzieren und ist selbstständig in einem Land, in dem Frauen nicht gleichberechtigt sind.

Noma e.V. hat das Ziel, die Krankheit in Niger mittelfristig zu besiegen. Über 4.200 erfolgreiche Operationen und die wachsende Aufklärung der Menschen sind Meilensteine auf diesem Weg.